Endlich anpacken statt weiter aufschieben – ein paar Erkenntnisse zum Priorisieren und Fokussieren

Energie, Zeit und Ressourcen sind begrenzt, während die To-do-Listen unendlich erscheinen. Genau wie Ablenkungen und Verpflichtungen. Als ich das Gefühl hatte, mit einem Herzensprojekt nicht von der Stelle zu kommen und gleichzeitig total gestresst war, habe ich eine Entscheidung getroffen.

Ich würde das ja endlich so gerne machen, aber …

Letztens habe ich mich nach meinem alten Ich um die dreißig zurückgesehnt. Rückblickend staune ich selbst darüber, wie fokussiert ich damals war. Ich hatte vier kleine Kinder, zwei in der Grundschule, die mittags nach Hause kamen, zwei im Kindergarten, die ich am frühen Nachmittag abholte. Außerdem einen freiberuflichen Job für ein Kinomagazin.

Und da war ein langgehegter Traum, für den ich schon mehrere Anläufe unternommen hatte: Ich wollte endlich meinen ersten Roman in einem Verlag veröffentlichen. Allen kursierenden deprimierenden Statistiken von unverlangt eingesandten und im Müll landenden Manuskripten zum Trotz nahm ich mir vor, diesmal das Buch fertig zu schreiben und einen Verlag zu finden.

Ich war sogar so leichtsinnig, mir zu sagen, dass ich nur noch diesen einen Versuch unternehmen, alles geben und falls das nichts wird, den Traum loslassen würde.

Also setze ich mich jeden Tag ,sobald die Kinder außer Haus waren, zuerst an den Schreibtisch, bis ich meine fünf Seiten geschrieben hatte. Mit Recherche und Überarbeitung war ich nach fast drei Jahren soweit, das Manuskript abzuschicken und hatte zwei Wochen später einen Agenturvertrag. Drei Jahre später wurde Das Leben ist kein Kindergeburtstag bei Blanvalet (jetzt als ebook bei dotbooks) veröffentlicht und es folgte im Schnitt jedes Jahr ein neuer Roman.

Ich schreibe das nicht, um anzugeben – frei nach dem Motto, du kannst alles schaffen, wenn du dich nur genug anstrengst. Noch schlimmer ist der Spruch, „Wir haben alle dieselben 24 Stunden“. Mag sein, dass unsere Tage alle gleich lang sind, aber die Liste der Aufgaben und die Umstände sind es nicht.

Mit ganz viel Dankbarkeit für den Partner an meiner Seite und die Unterstützung der Großeltern ziehe ich meinen Hut vor allen, die alleinerziehend sind oder sich um pflegebedürftige Angehörige rund um die Uhr kümmern. Dabei überhaupt noch irgendwas anderes zu schaffen, ist hart.

Mir geht es hier um etwas anderes. Um das Thema Fokus, wenn Raum und Zeit da sind.

„Warum um alles in der Welt habe ich früher trotz kleiner Kinder und Zeitfenster mein Romanprojekt konsequent durchgezogen, während ich mich heute oft komplett verzettle? Warum schaffe ich nicht dreimal so viel, obwohl ich dreimal so viel Zeit habe?“

Ich hatte eine fette Krise. Keine Schreibblockade im eigentlichen Sinne. Geschrieben habe ich jede Menge. An einem neuen Buch, für das ich einen Abgabetermin habe, Blogartikel, Zeitschriftenbeiträge, Social Media-Posts, Newsletter, dauernd Emails, lange Kommentare zu den Texten meiner Coaching-Kunden…

Wenn der Wunsch, es zu machen, nicht reicht.

Nur mit meinem ganz besonderen Herzens-Roman-Projekt, an dem ich seit zwei Jahren arbeite, bin ich nicht weitergekommen. Es hat noch keinen Verlagsvertrag, ja ist noch nicht einmal an Verlage geschickt worden. Nach Phasen intensiver Arbeit daran, bin ich in ein kreatives Loch gefallen. Rannte weg von dem Projekt und schob immer wieder meine anderen Aufgaben vor. Zweifel, wie ich sie in den 15 Jahren als Autorin kaum erlebt habe und die Dringlichkeit (leider nicht immer Wichtigkeit) aller anderen Projekte führten dazu, dass ich nichts für das tat, was mir doch so wichtig war.

In den Tagen der Auszeit auf meiner Pilgertour fasste ich einen Entschluss:

Wieder zuhause würde ich es machen wie damals. Morgens wenn alle aus dem Haus sind an den Schreibtisch und täglich dieselbe Zeit an dem Projekt arbeiten. Egal mit welchem Ergebnis, Hauptsache dranbleiben. Vorher wollte ich keine E-Mail beantworten, keine anderen Aufträge bearbeiten und schon gar nicht um Internet rumdaddeln.

Zwei Wochen wollte ich mir bewusst dafür Zeit nehmen und dann Bilanz ziehen. Die zwei Wochen sind vorbei und das sind meine Erkenntnisse:

  • Ich habe tatsächlich den nächsten großen Schritt erreicht, so dass das Projekt jetzt bei meiner Agentin für die Überarbeitung liegt. Das habe ich ihr zum Start meiner Fokus-Zeit versprochen, auch um mich selbst etwas unter Druck zu setzen. Ohne dieses Fokus-Experiment wäre ich wahrscheinlich keinen Schritt weiter. In allen anderen Arbeitsbereichen habe ich dagegen tatsächlich nur das Allernötigste geschafft.
  • Damals gab es für mich keine Ablenkung durch Social Media, ich war nirgendwo angemeldet und die einzige Ablenkung waren eher noch klassische Telefonate, bei denen mir der Anrufbeantworter Ruhe verschaffte. Jetzt habe ich mir selbst verordnet, nicht aufs Handy oder in die Mails zu schauen, die App Focus-to-do hat mir dabei sehr geholfen, wirklich konzentriert an dem Buch zu arbeiten und das auch für mich zu dokumentieren. (Überhaupt die verschiedenen Aufgabenbereiche einmal zeitlich zu tracken, öffnet die Augen.)
  • Rechenschafft ablegen: ganz besonders eine Kollegin hat mir sehr geholfen, weil wir uns zum Co-Working per Zoom (Ton aus, Kamera an und ein Auge aufeinander in einem kleinen Fenster auf dem Bildschirm) getroffen haben. Und im Schreibraum, meinem Co-Working-Büro, klappte es auch besser als zu Hause – in den Pausen miteinander war es so wohltuend sich mit Kolleginnen auszutauschen, die diese Probleme kennen.
  • Mir mein Warum vor Augen führen: niemand zwingt mich, an diesem Projekt zu arbeiten. Es gibt noch keinen Vertrag und keinen Abgabetermin. Aber es ist ein absolutes Herzensprojekt, ein sehr herausforderndes, aber das ist genau das Buch, das ich als nächstes machen möchte. Wenn ich das Buch nicht schreibe, werde ich es auch niemals veröffentlichen.
  • Prioritäten setzen: Welche Aufgabe zahlt wirklich auf meine großen Ziele ein? Arbeit gibt es immer genug, aber welche bringt mich wirklich weiter? Arbeit kann auch eine Form von Ablenkung und Prokrastination sein. Die Erfahrung der letzten Zeit hat mich jedenfalls gelehrt, in Zukunft weniger Aufträge anzunehmen und kein neues Projekt mehr zu starten, bis die wichtigsten beendet sind.
  • Durchziehen, auch wenn die Lust fehlt: damals bei meinem ersten Roman, der veröffentlicht wurde, war die Schreibzeit reine Freude. Und noch voller Unschuld und Naivität. Heute ist das Schreiben auch manchmal harte Arbeit und Durchziehen. Der erste Roman ist wie Verliebtsein, der zwölfte wie eine Langzeitbeziehung, die auch schon ein paar Macken aber mehr Tiefe hat. Ich hatte mehr als einen Moment, wo ich versucht war, doch etwas anderes zu machen, ein paar kleine Momente bin ich schwach geworden, aber meistens habe ich es durchgezogen. Und die Freude kam mit der Zeit. Und wenn nicht, bin ich dennoch weitergekommen. Flowmomente und Begeisterung sind ebenfalls immer wieder gekommen und ich weiß sie heute noch mehr zu schätzen.
  • Ich habe mein Vertrauen in mich erneuert: kennst du auch diese To-do-Listen am Anfang der Woche, die völlig unrealistisch sind? Ich habe mir irgendwann schon selbst nicht mehr geglaubt, wenn ich aufgeschrieben habe, mit Roman-Projekt XY weitermachen. Dafür waren zu viel andere Punkte auf der Liste. Und jetzt habe ich es durchgezogen. Also werde ich das Projekt auch ganz fertig bekommen.
  • Loslassen statt Mitschleppen: Monatelang habe ich mein schlechtes Gewissen mit mir rumgeschleppt, weil ich nicht weitergekommen bin. Jetzt habe ich mein Exposé und meine Leseprobe fertig und auch wenn das mit Sicherheit nicht die letzte Überarbeitung war, kann ich erst mal entspannt loslassen. Nun ist erst mal meine Agentin am Zug. Und ich werde am Montag mit dem Buch weitermachen, dessen Abgabetermin bald ist.
  • Der Fokusmuskel ist gewachsen: nach diesen zwei Wochen Intensivtraining fühle ich mich auch für ein paar andere Aufschieberitis-Baustellen gewappnet. Und ich habe ein gelernt: auch wenn sich Zeiten von Hyperfokus und Zerstreutheit abwechseln, der Fokusmuskel muss gepflegt werden. Immer wieder neu.

Fazit: ich fühle mich tatsächlich wieder mehr wie mein altes Ich, was die Energie und Begeisterung für ein Projekt angeht, dessen Ausgang noch in den Sternen liegt. In Kombination mit gut fünfzehn Jahren Erfahrung und fast ebenso viel Veröffentlichungen doch eine vielversprechende Kombination.

In diesem Sinne wünsche ich dir ganz viel Umsetzungsenergie – mit der Handlung kommen auch Ergebnisse und wenig raubt mehr Energie, als Pläne und Aufgaben vor sich her zu schieben.

Schreibe mir gerne von deinen Erfahrungen. Was hilft dir, endlich aktiv zu werden und fokussiert zu bleiben, was hindert dich daran?

Liebe Grüße, Daniela alias Marie Adams

P.S. Für alle, die einen Fokusanschub für ihr Sachbuchprojekt brauchen, habe ich dieses Workbook mit Extras entwickelt – Klarheit über dein (Sach)buchprojekt für 22 Euro bei Digistore.

 

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