Fokussiert leben: Was passiert, wenn du nicht aufhörst, zu viel am Handy zu scrollen

Kennst du das? Eigentlich wolltest du in deiner freien Zeit ein Buch lesen, früh schlafen, an einem Projekt arbeiten, das dir wichtig ist, eine Sprache lernen, mit einem lieben Menschen telefonieren, Sport machen … bevor du anfängst, schaust du noch mal eben auf dein Handy. Passiert mir auch immer wieder. Genau deshalb ist dieser Artikel auch eine Erinnerung an mich. Welche Nachteile verschaffen wir uns also, wenn wir das Scrollen nicht im Griff haben?

1. Andere füllen unser Leben mit Inhalten
Nichts gegen Inspiration von außen – gute Gespräche, Bücher, Begegnungen, Filme und ja, auch mal Social-Media-Posts geben uns neue Ideen oder verbinden uns mit Gleichgesinnten. Aber wenn wir einfach das Handy in die Hand nehmen und uns berieseln lassen, bestimmt der Algorithmus, was uns ausgespielt wird. Wir bleiben in unserer Bubble und sind in erster Linie potenzielle Kundinnen oder Kunden – eben auch von Nachrichtenportalen, die uns zwar informieren, aber auch Werbung ausspielen. Und was in unserem Kopf viel Raum einnimmt, gestaltet unser Denken und Leben mit. Also lieber bewusst und gezielt nach Inspiration, Rat und Begegnung suchen.

2. Es fehlt die Zeit für das wirklich Wichtige
Unsere Zeit ist nun einmal begrenzt. Wenn wir die Stunden, die uns zur Verfügung stehen, zuerst mit sinnloser Berieselung füllen, passt nichts anderes mehr rein. Und manchmal ist es auch zu spät für etwas. Wie viele von uns quälen sich mit guten Vorsätzen – und am Ende glauben sie sich selbst nicht mehr. Passiert mir auch immer wieder. Aber auch das Gegenteil: Einfach machen und schauen, was geschieht. Wir unterschätzen oft, was eine Stunde am Tag ausmacht. Wenn wir uns zum Beispiel vornehmen, jeden Tag eine Stunde damit zu verbringen, die Verbindung zu wichtigen Menschen in unserem Leben zu pflegen (egal ob ein Anruf oder ein Treffen), sagen wir schnell, dass wir keine Zeit haben. Aber ich wette, fast alle von uns haben eine Stunde Zeit für Nachrichten oder Social Media. Ein Blick auf die Bildschirmzeit im Handy kann sehr ernüchternd sein.

3. Beziehungen leiden
Es ist so viel einfacher, rumzuscrollen, als wirkliche Verbindung zu suchen. Klar können wir gerade bei Nischenthemen im Internet Gleichgesinnte treffen und uns vernetzen – das ist wirklich eine Errungenschaft. Aber bei wie vielen Leuten liegt das Handy bei jedem Zusammensein auf dem Tisch, und bei jedem Pling wird das Gespräch unterbrochen? Mir geht es ehrlich gesagt auch so, dass ich mich ohne mein Handy in Hörweite unwohl fühle, weil ich gerade wegen der Kinder oder mittlerweile kranken Eltern immer erreichbar sein möchte. Aber wie viele Notfälle gab es bisher wirklich? Nicht so viele – zum Glück. Und ich versuche, das Handy zumindest immer in der Tasche zu lassen und nur selten nachzuschauen, ob ich einen Anruf verpasst habe.

4. Die Konzentration leidet
Ein großer Nachteil an den Infos, gerade auf Social Media, ist, dass alles nur noch in kleinen Häppchen dargeboten wird. Mittlerweile ist es auffällig, dass die Aufmerksamkeitsspanne bei uns allen gelitten hat. Einen längeren Text oder gar ein ganzes Buch lesen? Fällt immer mehr Menschen schwer. Selbst ein Spielfilm wird schon zur Herausforderung. Ich fürchte, unsere Gehirne verkümmern alle ein Stück, wenn niemand sich mehr mit langen Inhalten auseinandersetzt, sich auch mal ohne Ablenkung in Sachverhalte vertieft. Angeblich werden schon Studieninhalte selbst in der Germanistik, wo langes Lesen eigentlich vorausgesetzt werden könnte, angepasst, um dem Unvermögen entgegenzukommen. Die Konzentration leidet ja schon, wenn wir alle zehn Minuten mal nachgucken, ob die Mail endlich da ist, auf die wir warten. Hier hilft nur Training: bewusstes Ausschalten aller Ablenkung für 25 oder 45 Minuten wenigstens, um fokussiert an einer Sache zu arbeiten. Hier helfen Apps wie „Fokus To-Do“ oder „Forest“ weiter – oder eine schlichte Stoppuhr.

5. Wir kommen nicht mehr zur Ruhe
Niemand braucht sich mehr zu langweilen. Jede Minute Wartezeit wird mit Unterhaltung gefüllt. Am einfachsten ist der Griff zum Handy. Wenn wir nicht mit etwas beschäftigt sind, lassen wir uns beschäftigen. Aber gute Ideen, Erkenntnisse und Gedanken brauchen Zeit und Ruhe – und Gelegenheit. Wenn es immer laut um uns ist (oder immer Bilder von außen auf uns einprasseln), können unsere eigenen Ideen gar nicht zu uns vordringen – und schon gar nicht Wurzeln in uns schlagen. Wie viele von uns werden nervös, wenn sie allein mit sich sind? Wie oft nehmen wir die Dinge nicht mehr unmittelbar wahr, weil wir sie auf dem Handy festhalten wollen? Der Mensch heute bekommt wohl so viele Informationen in einer Woche wie vor hundertfünfzig Jahren im ganzen Leben. Das macht etwas mit uns. Und wenn sich das auch noch auf die Nachtruhe ausweitet, weil wir vor dem Schlafen noch eine Stunde lustige Reels gucken, obwohl wir zu müde zum Lesen waren, wird der nächste Tag auch nicht besser.

6. Wir fühlen uns leer
Allein weil ich recht fernsehfrei groß geworden bin, bin ich bei meinen Kindern nicht so dogmatisch bei der Bildschirmzeit. Fernsehschauen war bei uns nicht verboten, aber verpönt – vor allem die Privatsender. Es gab auch nur einen Fernseher im Wohnzimmer, sodass wir nicht heimlich gucken konnten. Manchmal habe ich, wenn ich allein zu Hause war, stundenlang geglotzt – und rumgezappt (wer kennt den Begriff noch?). Währenddessen habe ich es genossen, danach habe ich mich meistens einfach nur leer und unausgelastet gefühlt (anders geht es mir nach einem wirklich guten Film). Gerade dieses wahllose Hin- und Herspringen und irgendwo Hängenbleiben laugt aus und gibt nichts außer etwas Ablenkung. Ab und zu völlig okay, aber wenn ich heute den Abend am Handy verbringe, ohne dort gezielt nach etwas zu schauen, was mich inspiriert oder mir weiterhilft, fühle ich mich wie früher nach dem exzessiven Glotzen.

7. Unser Leben wird langweiliger und passiver
Es geht nicht darum, dass wir jede Minute etwas Vernünftiges machen, immer produktiv sind und in unserer Freizeit ein Start-up gründen oder nur noch ohne Handy, aber dafür mit einem Stadtplan fremde Städte erkunden. Aber wie viele verbringen ihre Zeit am Handy oder vor Netflix und Co., statt ihr Leben selbst zu gestalten? Und dabei denke ich gar nicht nur an die „heutige“ Jugend, sondern auch an meine Generation. Ich liebe es selbst, wenn ich eine gute Serie entdeckt habe – aber ich weiß, dass mein Leben definitiv zu kurz ist, um alle guten Serien zu schauen, also versuche ich es erst gar nicht.

Wie bei allen Dingen macht die Dosis das Gift. Passive Unterhaltung ist wunderbar zum Abschalten – wenn wir vorher unser Ding gemacht haben. Wenn die wichtigen Menschen und Projekte genug Platz in unserem Leben haben. Dann ist das alles eine Bereicherung. Aber falls dieses Rumscrollen und Mit-Bildern-und-Infos-Abgefüllt-Werden zuerst kommt, macht es unser Leben ärmer. Wir erreichen unsere Ziele nicht, sind fremdgesteuert, unsere mentale Gesundheit leidet – und unser Denkvermögen auch.
Das alles sage ich mir auch selbst, weil ich Momente kenne, in denen ich etwa mit dem Schreiben nicht weiterkomme und „mal eben“ auf Instagram schaue. Beim nächsten Mal lese ich mir dann lieber direkt meinen eigenen Blogartikel noch mal durch. Gerade mache ich übrigens sehr gute Erfahrungen mit der Jugendschutzeinstellung auf meinem Handy und schränke meine Bildschirmzeiten radikal ein.

In diesem Sinne: alles Gute und viel gute Fokuszeit.
Schreibe gerne in die Kommentare, was dir weiterhilft, um dich nicht von zu viel Bildschirmzeit ablenken zu lassen.

Liebe Grüße, deine Daniela alias Marie Adams

 

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