Mutig sein – weniger Angst für ein schöneres Leben

Angst kann uns helfen, Gefahren aus dem Weg zu gehen. Genauso gut bremst die Angst uns jedoch immer wieder aus und verhindert das Leben, das wir uns eigentlich wünschen. Wie können wir mutiger werden? Ein paar Gedanken dazu – auch inspiriert durch mein Interview mit Heike Abidi und Ursi Breidenbach zu Gönn dir einen Mutausbruch.

Es gab Zeiten, da hatte ich Angst, vor mehr als drei (fremden) Leuten zu sprechen. Ein paar negative Erfahrungen wollten mich anscheinend davor bewahren, mich noch mal zu blamieren.
Irgendwann habe ich mich dazu entschlossen, diese Angst zu überwinden, weil ich als Autorin Lesungen halten wollte. Heute stressen mich Vorträge und Lesungen gar nicht mehr und auch meinen Podcast mache ich mit Vergnügen. Okay, ein bisschen Aufregung ist immer noch dabei, aber nur so viel, dass es für den Adrenalinkick reicht.

Ohne Angst gibt es keinen Mut

Leider gibt es immer noch genug Dinge, die mir Angst machen, auch wenn mich manche in einigen Punkten vielleicht nicht nur für mutig, sondern hin und wieder auch für waghalsig halten. Als Beispiel etwa die Entscheidung, zur Geburt dreimal in ein Geburtshaus ohne ärztliche Begleitung zu gehen – nach reiflicher Überlegung und guter Vorbereitung war es für mich eine gute Entscheidung. Angst hatte ich keine.
Wenn ich mich mit anderen unterhalte, sind Ängste oft ein Thema – so auch für meine Kolleginnen Heike Abidi und Ursi Breidenbach, die dazu ein ganzes Buch geschrieben haben: Gönn dir einen Mutausbruch – wie du die Heldin in dir erweckst. (Über dieses Buch haben wir uns auch in der aktuellen Podcastfolge in meinem Podcast Bring dein Herzensthema in die Welt unterhalten. Hört gerne rein und feiert mit mir, dass es mit dem Podcast endlich wieder weiter geht. Auf Spotify und überall, wo es Hörbücher gibt.)

Ich habe mich in diesem Buch so abgeholt gefühlt. Einmal wurde mir erneut bewusst, dass ich nicht die ängstlichste Person der Welt bin, sondern einfach relativ normal, zum anderen habe ich mich in einigen Strategien und Erkenntnissen bestätigt gefühlt und gleichzeitig neue Gedanken und Perspektiven gefunden. Jede Menge Erfahrungsberichte mischen sich hier mit grundsätzlichen Erkenntnissen aus der Psychologie und motivieren, zum einen mit der eigenen Angst Freundschaft zu schließen, ihr aber auch die nötigen Grenzen zu zeigen.

Hier ein paar Anregungen und Gedanken, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind:

  • Unsere Ängste haben in der Regel wenig mit der tatsächlichen Gefahr zu tun. Der Klassiker ist die Flugangst – rein statistisch gesehen, ist das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel, dennoch haben viele Menschen Angst vor dem Fliegen oder zumindest gehörigen Respekt. Den Verstand einschalten und theoretisches Wissen aneignen, kann Ängste in eine vernünftige Relation rücken. Allein die Frage, wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass ich abstürze oder wegen einer Blamage vor Kunden den Job verliere, sorgt für Entspannung.

  • Vorbereitung ist alles. Sich Wissen über Wahrscheinlichkeiten aneignen und sich dann auch auf die Notfälle vorzubereiten, kann ebenfalls viel bewirken. Und dabei geht es nicht nur um wirkliche Notfälle (Kleiner Reminder, auch wenn wir Angst haben, uns etwa mit dem Tod auseinanderzusetzen, stirbt man in der Regel nicht schneller, wenn man eine Patientenverfügung schreibt). Bevor die erste richtige Lesung vor ca 15 Jahren bei mir anstand (der Probelauf in einer Gruppe war wirklich eine Katastrophe gewesen), habe ich mit einer Lesetrainerin zusammen gearbeitet, die mir zum einen die Angst genommen hat und einfach das Handwerkszeug vermittelt hat. Klar habe ich kurz vor der Veranstaltung trotzdem bereut, zugesagt zu haben – und dann wurde es ein wunderbarer Abend!

  • Wir müssen nicht jede Angst besiegen. Manchmal haben wir auch keine Kapazitäten, um eine bestimmte Angst anzugehen. Das kostet nämlich viel Kraft und wenn sich der Aufwand dann noch nicht einmal lohnt, ist es manchmal besser, das Thema zu vertagen. Ich fürchte mich zum Beispiel vor Schlangen, ein Urlaub im Dschungel käme daher für mich nicht in Frage und damit kann ich gut leben. Als eins meiner Kinder sich bei einem Grundschulausflug in die Zooschule mal eine fette Schlange hat um den Hals legen lassen, war ich schwer beeindruckt. Mich gruselte schon das Foto. Aber der Aufwand, mich dieser Angst zu stellen und sie zu überwinden, lohnt sich für mich einfach nicht, weil ich eh keine giftigen Schlangen treffen werde.

  • Auf die Grundbedürfnisse achten. Passend dazu haben wir meist mehr Angst, wenn wir müde oder hungrig sind, also sollten wir uns in erster Linie gut um uns selbst kümmern, bevor wir uns den Herausforderungen im Leben entgegenstellen. Auch die Pflege von Beziehungen und der Blick auf das Gute im Leben, schenkt uns auf allen Ebenen mehr Sicherheitsgefühl.

  • Mut ist trainierbar. Egal wie ängstlich wir sind, der Mutmuskel wird mit jedem Mal stärker, bei dem wir etwas trotzdem tun. Vermeidung bewirkt leider das Gegenteil und lässt den Mutmuskel weiter schrumpfen. Das Schöne ist, dass uns jede mutige Aktion insgesamt mutiger werden lässt. Wer etwa seine Angst vor dem Dreimeter-Brett überwindet, kann den Schwung auch für das Bewerbungsgespräch nutzen. Viel zu oft ist uns gar nicht bewusst, wie mutig wir eigentlich schon sind. Eine Liste deiner Momente, in denen du deine Angst überwunden hast, ist quasi das mentale Mutmuskeltraining.

  • Kleine Schritte reichen. Wenn wir zum Beispiel Angst haben, mit fremden Menschen zu sprechen, reicht erstmal ein freundliches Lächeln zum Gegenüber in der Bahn oder ein besonders herzliches Dankeschön an der Supermarktkasse. Irgendwann ist es gar nicht mehr so schwer, auch Leute auf einer Party anzusprechen, auf der du kaum jemanden kennst.

  • Offenheit und Verbindlichkeit suchen. Unsere Ängste sind oft mit Scham behaftet, darüber zu reden, nimmt Druck raus und schafft Verständnis. Im allerbesten Falle suchen wir uns jemandem, mit dem wir nicht bei der Angst bleiben, sondern der uns motiviert, diese zu überwinden. Du schiebst die Terminvereinbarung für eine Vorsorgeuntersuchung immer weiter raus? Vielleicht geht es einer Freundin genauso, also könntet ihr euch zum Beispiel darauf einigen, dass jede heute noch einen Termin vereinbart und ihr als Belohnung gemeinsam einen Kaffee trinkt.

Eins ist jedenfalls klar: Angst kostet uns sehr viel Energie, meistens viel mehr, als sie uns im Gegenzug an (vermeintlicher) Sicherheit schenkt. Diese Energie ist doch viel besser darin investiert, unser Leben bewusst zu gestalten.

In diesem Sinne wünsche ich dir ganz viel Mut für alle deine Pläne und alles Gute,

liebe Grüße, Daniela alias Marie Adams

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