Für meinen Roman Die Bibliothek der guten Wünsche habe ich mich auf die Spuren meiner Protagonistin Charlotte begeben – und bin für ein Wochenende allein nach Paris gereist. Ein Teil der Zeit war ich mit Gabriela Rosa Da Silva / Gabrielle B., einer Pariser Künstlerin und Autorin unterwegs (von ihr ist auch das Foto), die mir einige der Schauplätze des Romans und ein paar besondere Ecken auf dem Montmartre zeigte. Die andere Zeit ließ ich mich treiben, ganz wie Charlotte, die in der Stadt der Liebe plötzlich alleine unterwegs ist…

Als ich mit dem Schreiben des aktuellen Romans begann, war meine letzte Parisreise drei Jahre her. Damals war ich mit meinem Mann und zwei unserer Kinder dort, und an viele Momente erinnerte ich mich zwar, aber nicht präzise genug für meinen Roman. Mir wurde klar: Google oder Reiseführer reichen nicht, um Charlottes Eindrücke authentisch zu schildern. Ich wollte spüren, wie es ist, wenn man allein in den Eurostar steigt, um einen uralten Gutschein einzulösen – so wie Charlotte es Charlotte mit ihren 50 Jahren das erste Mal im Leben wagt.
Natürlich recherchierte ich im Vorfeld und stolperte über Warnungen über Kriminalität (für die Geschichte brauchte ich eine finstere Gasse, die ich mir aber nur am hellichten Tage anschauen wollte) und den Hinweis, Paris sei nicht so schön wie in Emily in Paris. Aber ehrlich gesagt, mehr Sorge hatte ich davor, mich zu verlaufen. Beim letzten Mal habe ich mich auf den sehr guten Orientierungssinn meines Mannes verlassen. Diesmal suchte ich die Wege selbst – und siehe da: Ich habe mich nie wirklich verirrt, sondern höchstens ein bisschen länger gebraucht. Und genau das war eine schöne Erkenntnis: manchmal steckt hinter unserer vermeintlichen Orientierungslosigkeit schlicht der Komfort, andere machen zu lassen.
Auf den Spuren von Charlotte
In knapp vier Stunden bringt der Eurostar einen von Köln nach Paris, und bei früher Buchung sind die Tickets überraschend günstig. Mein kleines Hotelzimmer unterm Dach mitten im Montmartre hatte zwar nur eine enge Treppe in die oberste Etage, dafür aber einen traumhaften Ausblick – und ich fühlte mich ein wenig wie in der fabelhaften Welt der Amélie.
Der Kinofilm war für dieses Viertel vielleicht das, was Eat Pray Love für Bali war. Ein Tourismus-Magnet. Ich wollte mich nicht wie eine Touristin fühlen, lieber wie eine Schriftstellerin, die bei Croissant und Café au Lait ihr Notizbuch zückt. Gabriela, die Autorin und Künstlerin, die ich bisher nur online aus einem meiner Schreibseminare kannte, verdankte ich, dass ich tatsächlich nicht nur einen touristischen Einblick bekam (Auf Instagram kannst du hier an ihren Blick auf Paris teilhaben).
Die besten Schokocroissants der Stadt, Street Art, lauschige Ecken, der leckerste persische Imbiss, die Nationalbibliothek, den zauberhaften Buchladen in der Galerie Vivienne, ihre Wohnung in dem Haus, das ehemals die Tänzerinnen des Moulin Rouge beherbergte, den Cimetière de Montmartre unter der Autobrücke, auf dem der Regiesseur François Truffaut oder der Dichter Heinrich Heine liegen und der mindestens so schaurig schön wie der berühmte Friedhof Père Lachaise ist … all das und noch viel mehr zeigte Gabriela mir und so vieles davon floss am Ende in das Buch.









Die Absinth-Bar, die in meiner Geschichte eine Rolle spielt, haben wir übrigens vergeblich gesucht – sie existiert nur in meiner Fantasie. Aber natürlich probierte ich in Paris gekauften Absinth zu Hause: ein Ritual mit Eiswasser, Zuckerwürfeln und speziellen Löffeln. Der legendäre „kreative Rausch“ blieb zwar aus, aber er schmeckte lecker. Nach Fenchel mit Honig. Doch wie jeder andere Alkohol lähmt er das Gehirn. Im Roman lockert er immerhin die Zunge von Charlotte.
Allein unterwegs – und ganz bei mir
Der strömende Regen am Sonntagmorgen prasselte gegen die Fensterscheiben, als ich mich im Bus auf den Weg zur Rue de Bac machte. (Überhaupt sind die Busse deutlich netter als die Metro und Sightseeing gibt es quasi nebenbei). Dort besuchte ich die Messe in der berühmten Wallfahrtskirche, in der die heilige Katharina Labouré, die sich für Kranke und Arme einsetze, aufgebahrt wird. Ich verstand kaum ein Wort und war doch so berührt von der lebendigen Atmosphäre. Den restlichen Tag verbrachte ich wirklich allein, über einen Flohmarkt schlendernd, an der Seine, am Louvre, für den ich mir viel früher hätte eine Karte kaufen müssen, wenn ich den Glaskasten nicht nur von außen hätte sehen wollen, in einem übervollen indischem Imbiss am Bahnhof, dessen Tische so eng gestellt waren, dass kaum ein Durchkommen war. Köstliches Essen, doch der Blick auf den Gare du Nord, trübt den Genuss, weil mir wieder einmal bewusst wird, dass selbst so eine Mahlzeit für viele Luxus ist. Und ich spüre die Sehnsucht nach Hause und Dankbarkeit dafür, dass da jemand auf mich wartet.
Über was darf ich schreiben, ohne es erlebt zu haben?
Darf ich überhaupt über eine Frau schreiben, die ihren Mann verloren hat? Bewusst habe ich den Roman Jahre nach dem Verlust angesiedelt, die Trauer ist noch da, aber anders und der Alltag wieder eingekehrt. Die Kinder, die das Haus verlassen, machen Charlotte wehmütig, aber auch neugierig auf neue Freiheit. Ich verspreche dir: Die Geschichte ist deutlich tröstlicher und lustiger als es sich anhört. Charlotte wird in dem Roman zweimal nach Paris fahren, nicht nur die Stadt, sondern auch die Liebe bekommt eine zweite Chance. Und mindestens genauso wichtig: endlich setzt sie einen großen, eigenen Traum um und findet eine wunderbare neue Freundin.
Der Verlag hatte auf dem Entwurf für den Klappentext von Die Bibliothek der zweiten Chancen zunächst geschrieben „Paris ist immer eine Reise wert.“ Dem stimme ich aus vollem Herzen zu. Und dennoch fragte ich, ob sie den Satz nicht in „Paris ist auch alleine eine Reise wert.“ ändern könnten. Genauso steht es jetzt dort.
Paris ist eine wunderschöne Stadt, die nicht perfekt, aber unglaublich liebenswert und ganz zu Recht eine so beliebte Kulisse für Liebes- und Freundschaftsgeschichten ist. Bisher spielten meine Romane alle in Köln und einmal in der Rhön, doch ich freue mich sehr, euch diesmal nicht nur in meine Heimatstadt, sondern auch nach Paris mitnehmen zu dürfen. (Hier kannst du „Die Bibliothek der zweiten Chancen“ bestellen. Viel Freude beim Lesen)
Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und genau den Mut für neue Eindrücke und Erfahrungen, den du gerade brauchst! Liebe Grüße,
Daniela alias Marie Adams