Spätestens seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ ist Pilgern kein Nischenthema mehr und obwohl der Glaube für mich schon immer wichtig war, habe ich um jede sportliche Herausforderung einen großen Bogen gemacht. Ja, ich gestehe, ich bin eine von denen, die nicht mal eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen bekommen hat, dafür aber bei jeder längeren Wanderung Blasen.
Als mein Mann vor zweiundwanzig Jahren das erste Mal in vier Tagen rund 120 km zu Fuß von Waldorf nach Trier zum Grab des hl. Apostels Matthias pilgerte, war mein erster Gedanke: krass, das könnte ich nie! Und spürte gleichzeitig, wie besonders diese Zeit für ihn jedes Jahr war, also habe ich mich vor vier Jahren entschlossen, es einfach mal zu versuchen.
Nun bin ich immer noch begeistert dabei und habe ein paar Erkenntnisse für mich gesammelt, die ich gerne auch in den Alltag mitnehmen möchte.
- Am Ende des Tages war der Akku immer noch fast voll. Das meine ich jetzt gar nicht als Metapher, sondern mein Handyakku war abends immer noch bei 90%, während ich es zuhause ständig lade. Mir ist noch einmal bewusst geworden, dass das ständige Onlinesein, dauernd beschallt werden, Nachrichten lesen…, nicht nur Strom, sondern auch meine ganz persönliche Energie zieht. Also habe ich beschlossen, auch im Alltag weniger online zu sein, um wirklich mehr im Moment zu leben.
- Ich kann viel mehr als ich denke. Ich habe wirklich bis Anfang vierzig gedacht, dass ich so eine lange Strecke zu Fuß einfach nicht schaffen würde. Aber irgendwann habe ich mich dazu entschlossen, es zu versuchen und es hat funktioniert. Der Entschluss allein reicht selten, aber Folgendes hat mir geholfen:
- Gute Ausrüstung und Vorbereitung: Zu Trainingszwecken an einem Tag 35 km zu laufen, hätte mir eher die Vorfreude genommen, aber moderates Laufen und viele Wege zu Fuß waren als Vorbereitung hilfreich und ausreichend. Vernünftige Schuhe, Füße mit Antiblasencreme eincremen und gute Wandersocken sind die halbe Miete. Auch im Alltag läuft vieles mit guter Vorbereitung besser.
- Schritt für Schritt: Die Vorstellung beim Start, jetzt über 100 km vor mir zu haben, hätte mich demotiviert. Also lieber nur an den nächsten Schritt, die nächste Etappe denken. Und auf einmal bin ich doch am Ziel. Daran möchte ich auch zuhause denken, wenn ich das Gefühl habe, das nächste Buchprojekt steht wie ein Berg vor mir. Schritt für Schritt, Seite für Seite geht es weiter.
- Pausen fest einplanen: Auch das möchte ich mehr mit in den Alltag nehmen – Pausen fest einplanen und nicht erst dann machen, wenn die Augen zufallen oder die Füße schmerzen.
- Gemeinschaft pfelgen: alleine hätte ich so eine Strecke niemals geschafft, aber getragen in einer Gruppe von gut 100 Menschen, die alle dasselbe Ziel vor Augen hatten, lässt sich vieles viel besser schaffen. Gute Gespräche, miteinander singen, beten, schweigen, feiern… tut gut. So sehr ich auch Zeiten des Alleinseins genieße, Gemeinschaft kann mich tragen. Ich bin sehr dankbar für die verschiedenen Gemeinschaften, die ich auch sonst im Alltag habe und nehme mir vor, sie noch mehr wertzuschätzen und zu pflegen.
- Mental Load abgeben: Früh aufstehen, lange laufen, hört sich erstmal sehr anstrengend an. Und ich war eigentlich vor dem Start so gestresst, dass ich dachte, dass ich danach erst mal drei Tage im Bett verbringen muss. Überraschenderweise war ich nach der Rückkehr sofort topfit und erholt. Ein Grund könnte sein, dass ich vier Tage komplett den Mental Load abgeben konnte. Die ganze Wallfahrt war komplett durchorganisiert und wunderbar vorbereitet. Ich konnte mich komplett fallen lassen und gerade während der Lieder und Gebete habe ich auch meine eigenen Gedanken mal ausgeschaltet und wirklich abgeschaltet. Als Freiberuflerin und mit fünf Kindern treffe ich im Prinzip seit 25 Jahre den ganzen Tag Entscheidungen, auf dem PC und im Leben sind ständig viele Tabs offen. Es ist einfach so wohltuend, mal komplett keine Entscheidungsverantwortung zu tragen.
- Zeit mit Gott: sich einmal bewusst aus dem Stress des Alltags auszuklinken und sich bewusst auch auf eine spirituelle Reise zu begeben, tut gut und setzt einiges in eine andere Relation. Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? Wer ist mir wichtig? Was sind meine Werte? Und lebe ich danach? Egal wie stressig das Leben gerade ist, sich etwas Zeit für Gott zu nehmen, schenkt Kraft. Für mich persönlich sind die sogenannten Morgenseiten zum Beispiel sehr hilfreich. Bevor der Trubel im Alltag losgeht, drei Seiten in einem Notizbuch vollschreiben, um die Gedanken zu klären, mit dem Unterbewusstsein und vielleicht auch mit Gott in Verbindung zu kommen. Eingebunden in ein großes Ganzes fühlt sich das Leben leichter und bedeutungsvoller zugleich an.
Gibt es etwas von den Anregungen, die du auch schon im Alltag umsetzt? Oder klingt irgendwas danach, als könnte es dir gut tun? Schreibe gerne in die Kommentare. Und falls du Inspiration für das Thema Glaube im Alltag und Morgenroutine mit Gott suchst, gefällt dir vielleicht mein Journal „Näher zu mir, näher zu dir“ (mehr Infos hier).
Alles Gute und viele entspannte, schöne Momente in deinem Leben,
Daniela alias Marie Adams